RheingauCenter Nachrichten:
"In Afrika heißt es: Kinder bringen Glück"
Das Lesefest präsentierte sich "grenzenlos" auf der Landkarte und in der Phantasie / Großes Finale
Die Farben der französischen und der deutschen Flagge gab es beim Verschwisterungskomitee Eltville zum Mixen und Trinken.
Eltville. (chk) Mit Theater, Musik, Tanz, Präsentationen, Mitmachaktionen und Lesungen klang das fünfte Eltviller Lesefest in der Kurfürstlichen Burg aus. Es war vor allem der große Tag der Schulen und Kindergärten, die kreative Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit dem Thema Lesen vorstellten.
Weil das Lesefest-Motto in diesem Jahr "Grenzenlos" hieß, setzten sich mehrere Darbietungen mit Geschichten aus anderen Ländern auseinander. Das Lesefestfinale war auch zugleich die Veranstaltung mit dem größten Publikumsandrang rund 1.200 Besucher kamen allein an diesem Tag in die Burg. Der Gelbe Saal war mehrmals so voll besetzt, daß es kaum ein Durchkommen gab.
Bevor die Eltviller Kindertagesstätte St. Peter und Paul am Vormittag zu einer Mitmachlesung zum Bilderbuch "Mutig, mutig" einlud, eröffnete die Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper das Lesefestfinale und dankte der Organisatorin Sabine Stemmler und allen Mitwirkenden. Den Kindern zeigte sie das erste Buch, das sie selbst als kleines Mädchen gelesen hat: "Die kleine Hexe", von Otfried Preußler. Gleich danach stellte die Erbacher Kindertagesstätte den "Kindergarten-Weltgeschichtenkoffer" der Deutschen Welthungerhilfe vor. Dieser Koffer wird anschließend prall gefüllt mit Bilderbüchern und Vorlesegeschichten aus der weiten Welt auf die Reise durch die beteiligten Kindergärten gehen. Auch Landrat Burkhardt Albers versäumte es nicht, die Lesefest-Besucher persönlich zu begrüßen und die Bedeutung des Lesefestes für die Region zu würdigen.
Im Anschluß daran spielte die Klasse 4b der Walluftalschule mit sichtlicher Freude und in passenden Kostümen das von ihrer Lehrerin Bettina Burg in Rheingauer Mundart neu erzählte Märchen "Hänsel und Gretel" der Gebrüder Grimm. Die Flötengruppe spielte mit Rhythmusinstrumenten passende Musikstücke dazu. Das Bühnenbild mit Hexenhäuschen, Ofen, Käfig und Wald hatten die Grundschüler und einige Mütter selbst gebastelt. Langanhaltender Applaus war der Lohn für die Schüler, die Eltern und Bettina Burg, die Regie führte und den Eltern ein großes Lob für die vielfältige Mithilfe an dem Projekt aussprach.
Reise nach Afrika
Der senegalesische Autor und Erzähler Ibu Ndiyae hatte schnell das Interesse und die Herzen der Kinder gewonnen. Schon sein Name machte mächtigen Eindruck: "Ich heiße Ibrahima Ndoffène Khalilon Rassol Khariton Yalla Setu Bour Sine Coumba Magatte Ndiyae, kurz gesagt: Ibu Ndiyae, und ich bin vor 44 Jahren in Afrika geboren." Wer sich in Afrika mit seinem ganzen Namen vorstelle, der gebe seine Herkunft preis bis zurück zum Urgroßvater. Und der Familienname Ndiaye bedeute "Löwe". "Ich habe acht Geschwister", erzählte Ibu Ndiyae. "In Deutschland sagt man: Scherben bringen Glück, bei uns sagt man: Kinder bringen Glück. Kinder sind unser Reichtum und unsere Versicherung. Die Eltern sorgen für ihre Kinder, bis sie ihre 32 Zähne haben, dann sorgen die Kinder für die Eltern, bis die ihre 32 Zähne verloren haben.
Allein mit seinen Kindheitserinnerungen zog Ibu Ndiaye die Kinder in seinen Bann, die ihm sofort glaubten, daß er eine tolle Kindheit hatte und es ihm nie langweilig war. Dafür sorgten auch die Haustiere der Familie: Ein Schaf, eine Ziege, eine Schildkröte und ein Affe, der ihm die Schulsachen klaute und die Kleider seiner Mutter anzog. Ibu Ndiyae flüsterte den Kindern die Namen der Haustiere ins Ohr und bat sie, die Tiere so in Szene zu setzen, daß die anderen Kinder das jeweilige Tier erraten konnten. Groß war der Jubel, als statt einem Schaf ein Nilpferd als Haustier erraten wurde. Auch bei dem anschließenden afrikanischen Märchen von einer Hyäne und einem schlauen Hasen wirkten einige der Kinder als Darsteller mit. Mit afrikanischen Liedern, die Ibu Ndiyae in einem Schnellkurs den großen und kleinen Gästen beibrachte und die er auf der Djembe begleitete, klang die überaus beschwingte Mitmachstunde aus.
Dazu paßte dann auch die nachfolgende Geschichte aus Afrika, die die Kiedricher Kindertagesstätte St. Valentin tanzend und erzählend auf die Bühne brachte. Als Gemeinschaftsprojekt stellten die John-Sutton-Schule und die Kindertagesstätte Hickelhäusje ein Bilderbuch auf der Bühne vor: "Mats und die Wundersteine."
Die Erbacher Sonnenblumenschüler präsentierten live auf der Bühne und im Film "Die Zauberlehrlinge Eine Grundschule trifft den Dichterfürsten". Mit der Aufführung von Ausschnitten aus ihrem großen Goethe-CD-Projekt begeisterten die Grundschüler ihr Publikum. Geschichten in deutscher und slowenischer Sprache lasen Schüler der sechsten Klasse der Gutenberg-Realschule vor und fanden dafür ein aufmerksames und konzentriertes Publikum.
Beifall für alle Akteure
In allen Vorstellungen des Finales konnten die jungen Akteure allesamt stolz über den begeisterten Beifall des Publikums sein. Auch zum letzten Programmpunkt mit Autorin Aygen-Sibel Celik blieben noch erstaunlich viele Kinder im Gelben Saal, wie Sabine Stemmler erfreut feststellte, die das Lesefest wieder einmal in monatelanger Vorbereitung organisiert, mit Schulen und Kindergärten besprochen, Autoren gesucht und eingeladen hat. Aygen-Sibel Celik präsentierte ihr Kinderbuch "Sinan und Felix", das von Freundschaft und Sprachen erzählt. Unter den Kindern, die sich türkische Wörter aus dem Buch gemerkt hatten, verloste die Autorin fünf Exemplare ihres Bilderbuchs.
Nicht nur aktive Darbietungen, sondern auch viele Ausstellungen und Dokumentationen zeigten die am Lesefest beteiligten Kindergärten, Schulen und Büchereien im Burgsaal. Auf Tischen und an Stellwänden präsentierten sie die Ergebnisse ihrer Projekte. Auf langen Büchertischen hatten die Eltviller Buchhandlung Lauer und die Bücherecke aus Oestrich-Winkel eine unglaubliche Themenvielfalt an Kinder- und Jugendbüchern ausgebreitet, die vor allem der Buchpatenaktion dient, die immer noch ein Herzstück des Lesefestes ist. Ausgestellt war außer dem Kindergartenkoffer auch ein und der Grundschulkoffer, der seine Reise durch die Schulen antritt, bestückt mit Büchern, die von Geschäftsstelle Hessische Leseförderung finanziert wurden.
Auch im Burghof war "Action" angesagt. Dafür sorgten "Die Kunst-Koffer" aus Wiesbaden, die unter dem Motto "Es ist angerichtet" eine Vielfalt an natürlichen Materialien wie Ton, Steine oder Zweige auftischten, um der Phantasie und der Kreativität der Kinder grenzenlosen Lauf zu lassen ein Angebot, das die jungen Leseratten sehr eifrig annahmen. Außerdem präsentierten sich im Burghof auch Terre des Hommes und France Mobil. Die Gemeindebücherei Kiedrich und die John-Sutton-Schule, die im Vorfeld eine gemeinsame "Frankreich-Aktion" durchgeführt hatten, begrüßten das France-Mobil-Team. Das Verschwisterungskomitee Eltville-Montrichard begleitete die Anwesenheit von France mobil den ganzen Tag mit einem besonderen "Getränkestand". Aus Wasser, Orangensaft, alkoholfreiem Curacao, Granatapfel- und Pfefferminzsirup durften die Gäste die Farben der französischen und der deutschen Flagge "herstellen". Es war machbar, es war trinkbar und bereitete viel Spaß.
1.800 Lesefest-Besucher
Zu den 1.200 Besuchern des Lesefestfinales kamen an acht Lesefesttagen noch Veranstaltungen mit weiteren 600 Besuchern. Hinzu kommen Aktionen in Schulen und Kindergärten. Auch wenn einige Autorenlesungen weniger gut besucht waren, zeigte sich Sabine Stemmler mit dem Ergebnis zufrieden. Ihr Engagement und ihre Ausdauer haben sich gelohnt das Lesefest Eltville etabliert sich immer mehr zu einem Lesefest der ganzen Region.