Wiesbadener Kurier vom 09.10.2006

Lokales Rheingau

Literarische Spurensuche in der Nacht - 15 Veranstaltungen, 1700 Besucher: Lesefest weist positive Bilanz auf / Erweiterung geplant

ELTVILLE Das Eltviller Lesefest weist mit 15 Veranstaltungen und 1700 Besuchern eine stolze Bilanz auf. Nun plant Organisatorin Sabine Stemmler, die Veranstaltung auf den Rheingau auszudehnen und ein Netzwerk zur Leseförderung zu gründen.>

Von Kerstin Prosch

Mehr als 15 Veranstaltungen, rund 1700 Besucher - die Bilanz des vierten Eltviller Lesefestes, das gestern zu Ende ging, kann sich sehen lassen. Zu den Höhepunkten der mehrwöchigen Aktion, die vor allem Spaß am Medium Buch, aber auch am Hörbuch wecken will, hat unter anderem am Freitagabend die 1. Abenteuer-Hörbuchnacht im Kloster Eberbach mit Nachtwanderung gezählt.

Gespenstisch zucken Taschenlampenstrahlen durch das alte Klostergemäuer. Man hört Kinder aufgeregt miteinander flüstern. Die Abenteuer-Hörbuchnacht mit Autorin Maja Nielsen und ihrer Geschichte "Spurensuche auf eisigen Höhen" aus der Reihe "Abenteuer und Wissen" ist vorbei. 350 Kinder und Eltern warten auf den Abmarsch zur Nachtwanderung. "Das war eine spannende Gechichte", meint der sechs Jahre alte Ben. Auch der elf Jahre alte Tim ist begeistert und schon voller Vorfreude auf die Nachtwanderung. "Ich finde es toll, im Dunklen mit einer Taschenlampe zu wandern." Dass die Gruppe bei ihrer Tour von vier Lamas der Kisselmühle begleitet werden, gefällt vielen Kindern besonders gut. Die Mutter des siebenjährigen Kai, Birgit Rolletter, bewertet die Kombination von Hörbuchnacht und Nachtwanderung mit Lamas als gelungen. Überhaupt sagt ihr das Programm des Eltviller Lesefestes zu. "So kann man Kinder zum Lesen animieren", ist sie überzeugt. Das Lesefest, ein nicht-kommerzielles Angebot für Kinder, Jugendliche und Familien in Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten und Bibliotheken, wird nun schon im vierten Jahr von Sabine Stemmler organisiert. "Lesen fördert Fertigkeiten, die das gesellschaftliche Miteinander prägen, soziale Kompetenzen, die im 21. Jahrhundert ebenso wichtig sind, wie chatten zu können", findet Stemmler. Aus ihrer Sicht ist Lesen Prävention von Gewalt, Sucht und Diskriminierung. "In Büchern werden Probleme gelöst, Bücher können Vorbilder sein", betont sie. "Außerdem macht Lesen Spaß, bringt Spannung und Entspannung und verheißt Genuss pur."

Das vierte Lesefest hat sich unter dem Motto "Komm zur Sache" vor allem dem Sachbuch und Sachthemen gewidmet. Die Veranstaltungen haben viele Besucher angelockt. Die Autorenlesung mit Gudrun Pausewang füllte im Geisenheimer Kino alle 230 Plätze der beiden Säle, berichtet Stemmler. Die Autorin erzählte aus ihrem ereignisreichen Leben, ihren über 80 Büchern und ihrer Zeit im Nachkriegs-Wiesbaden. Anschließend sei die Verfilmung ihres Buches "Die Wolke" gezeigt worden. Etwa 90 interessierte Sterngucker fanden den Weg zur Sternwarte Presberg, wo himmlische Stories auf dem Programm standen, so die Lesefest-Organisatorin. Geschichten zum Thema Astronomie seien Erklärungen der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Rheingau zu Teleskopen und Sternenhimmel gefolgt.

Initiative ausgezeichnetAls vollen Erfolg verbucht Stemmler die Aktivitäten mit den Leipziger Buchkindern. Da gab es eine offene Schreib- und Druckwerkstatt für Kinder sowie ein Seminar für Lehrer und Erzieher, informiert sie. Dort sei unter anderem zu erfahren gewesen, welche Methoden es gibt, den kindlichen Gestaltungsprozess und den Schreibfluss zu initiieren. Darüber hinaus sind die Leipziger Buchkinder noch bis zum 28. November mit einer Wanderausstellung in der Eltviller Mediathek präsent.

Das Lesefest ist indes gestern in der Kurfürstlichen Burg Eltville zu Ende gegangen. Die Sonnenblumenschule, die Otfried-Preußler-Schule, die ASB-Kindertagessstätte Eltville und das Wichtelhäuschen Hattenheim haben ihr Können auf der Bühne demonstriert. Andere Einrichtungen haben an Ständen Arbeiten rund ums Sachbuch präsentiert. Stemmler plant derweil schon für die Zukunft. Das Lesefest, das auf der Frankfurter Buchmesse als zweitbeste Vorleseinitiative Deutschlands ausgezeichnet worden ist, soll sich künftig über den ganzen Rheingau erstrecken. Stemmler plant die Gründung eines Netzwerkes zur Leseförderung entstehen.

948161, WK , 09.10.06; Words: 584, NO: 1057513040001160344800